Female Ambassadors – weibliche Botschafterinnen für die Forstwirtschaft

Botschafterinnen für Frauen im Forstsektor
Unsere weiblichen Botschafterinnen gehen aktiv auf Mädchen und junge Frauen zu, informieren, stärken und motivieren sie. Als Expertinnen in ihren jeweiligen Fachbereichen zeigen sie, wie vielfältig und spannend die Arbeit im Forstsektor ist. Sie sind unverzichtbar, denn gerade in männerdominierten Branchen fehlen oft weibliche Vorbilder.

Warum Botschafterinnenprogramme wichtig sind
Diese Programme schaffen einen geschützten Rahmen für junge Frauen, um sich auszutauschen, Erfahrungen zu teilen und über Herausforderungen, Hindernisse und Anliegen rund um die Rolle von Frauen im Forstsektor zu sprechen. So werden geschlechtsspezifische Hürden sichtbar und gemeinsam Strategien entwickelt, um sie zu überwinden. Das Ziel: Den Forstsektor für Mädchen und junge Frauen zugänglich und attraktiv machen.

Botschafterinnen als Vorbilder und Multiplikatorinnen
Als Pionierinnen und Multiplikatorinnen tragen Botschafterinnen dazu bei, Gleichstellung in der Forstwirtschaft langfristig zu verankern. Damit sie diese Aufgabe erfolgreich erfüllen können, haben unsere ersten Botschafterinnen das nötige Rüstzeug bekommen: eine mehrteilige transnationale Ausbildung mit insgesamt 21 Unterrichtseinheiten, die zwischen Juni und Oktober 2025 stattgefunden haben:

  • Einführungs-Workshop (online)
  • Selbstwirksamkeit (online)
  • Handlungsfelder (online)
  • Wirkungsanalyse (online)
  • Entwicklungs- und Praxis-Workshop (vor Ort in Zagreb)

Und das sind unsere österreichischen Botschafterinnen:

Eine davon, Isabel Blumenschein aus Niederösterreich haben wir gebeten, uns ihre Gedanken zum Botschafterinnen-Programm niederzuschreiben – lesen Sie selbst ihre spannende Vorgeschichte und ihre Erlebnisse bei der Ausbildung zur Botschafterin:

Über Umwege fand ich als Spätberufene zu meinem aktuellen Arbeitsplatz – dem Wald. Vor sieben Jahren sollte ich für einen Stelle in der Schweiz den Motorsägeführerschein machen. Dort, auf der Alp, ging es darum, Brennholz für den Käsekessel zu schneiden, Meterstücke in 33cm Stücke. „Mach ich!“, sagte ich, buchte einen Kurs in der FAST Pichl und dachte, ich bekäme eine kleine Einschulung für die sichere Anwendung, um etwas durchzuschneiden. Nix da, zwei Wochen waren wir im Wald, in der Werkstatt und im Schulungsraum, und am Ende wusste ich, wie man einen Baum fällt, die Säge wartet und über Sicherheitsbestimmungen bescheid. Und eine neue Leidenschaft war geweckt: die Waldarbeit!

Mittlerweile bin ich Forstfacharbeiterin und arbeite in einem Forstbetrieb im Waldviertel. Ich liebe es, draußen zu sein, körperlichen Einsatz zu leisten und die abwechslungsreiche Arbeit der Waldpflege vom Bäumchen setzen bis zur Holzernte. Das Beste überhaupt: Ich habe eine wunderbare Arbeitskollegin.

Letztes Jahr bekam ich dieses Email:

Liebe Forstfrauen,
Role models und weibliche Ansprechpartnerinnen können für forstinteressierte Mädchen und junge Frauen eine wichtige Entscheidungshilfe für einen Forstberuf sein und stellen auch für einen gelungenen Berufseinstieg eine große Unterstützung dar. Wir suchen im Rahmen unseres Interreg-Projekt Fem2forests Frauen mit forstlicher Ausbildung, die gerne als solche Botschafterinnen (female ambassadors) tätig werden möchten.

Als mich diese Anzeige über die Forstfrauen erreichte, war mein Interesse geweckt und ich stellte mir selbst einige Fragen.

  • Was bedeutet es, als Vorbild zu fungieren?
  • Wer sind meine Vorbilder?
  • Wie verhalte ich mich als Vorbild?

Mein erster Gedanke war: Wenn es junge Frauen gibt, die Interesse haben, einen Forstberuf zu erlernen, aber Zweifel hegen, weil das momentane Bild, wer mit oder im Wald arbeitet, noch ein anderes ist, dann kann ich vermitteln, dass es möglich ist. Warum sollte jemand etwas anderes machen, als sie sich wünscht, nur weil das Gewünschte nicht so üblich ist? Oft braucht es nur eine kleine Geste, einen kleinen Input, um den Mut für den eigenen Weg zu festigen.

Bei unserem ersten online-Meeting, geleitet von Heidi Gaube und Eva Janusch, haben wir erst erarbeitet, warum so wenige Frauen in der Forstwelt tätig sind. Die Argumente waren länderüberschneidend sehr ähnlich: Vorurteile, traditionelles Rollendenken, gesellschaftliche Erwartungen, fehlende Informationen, Stereotypen, fehlende Vorbilder. Gut, das wissen wir. Aber wie können wir genau dieses Bild ändern und junge Frauen motivieren? Wie verhalten wir uns als Vorbild? Wie sind wir ein gutes Beispiel als Vorbild? Wie sprechen wir Frauen an?

Wir hatten so viele Fragen. Im ersten Workshop erzählten Eva und Heidi uns von der Selbstwirksamkeit und den Cohn Rules der Kommunikation. Wenn wir uns bewusst machen, wie wir auf andere wirken und wie wir mit anderen umgehen, können wir herausfinden, auf welcher Ebene wir unsere Zielgruppe erreichen.
Weiter ging es mit Fields of Action – die Einsatzgebiete. Wir trafen uns in den virtuellen Räumen und tauschten uns aus. Wir deckten fast alle Bereiche ab. Von den verschiedenen Bereichen an der Uni über verschiedene Stellungen in Betrieben, der Kammer, des Umweltschutzes. Die Denkerinnen, die Hacklerinnen, die Forscherinnen, die Einteilerinnen, die Beraterinnen, die Managerinnen. Die Forstwelt hat für jeden Charaktertyp mit den unterschiedlichsten Talenten was zu bieten.

Aber die Fragen blieben: Wie verhalte ich mich als Vorbild? Wie sind wir ein gutes Beispiel als Vorbild? Wie sprechen wir Frauen an?
Im letzten Meeting vor dem Computer trafen wir uns zwar noch immer motiviert, aber doch auch etwas verloren und noch immer mit den gleichen Fragen. Wir redeten über das Geschichten-Erzählen. Was braucht eine Geschichte, damit die Zuhörerin davon lernt, neugierig wird, sich erinnert, mehr wissen möchte, darüber nachdenkt, sich identifiziert? Wir berieten uns wieder in virtuellen Räumen. Es braucht Humor, Emotionen, echte Gefühle, Selbstsicherheit, Leidenschaft. Wir haben unsere Stimme, unseren Körper, unsere Emotionen, unsere Sprache, unsere Erfahrungen. Endlich kam das große Aha-Erlebnis!

Es sind wir! Es sind unsere Geschichten! Es sind unser Lebensweg und unsere Leidenschaft, die andere Frauen dazu motivieren können, ihren Weg in die Forstwelt zu gehen.
Wir sind die Vorbilder. Wir können unsere Geschichten dazu verwenden und sie so erzählen, dass andere eine Gänsehaut bekommen. Wir können diese kleine Geste sein, den kleinen Input geben, um den Mut für den eigenen Weg zu festigen.

Und dann kam endlich der Tag, an dem wir uns persönlich begegneten! Über 20 Frauen aus zehn Ländern – unsere Gemeinsamkeit: die Forstwelt. Wir wurden herzlich von unseren Gastgebern in einem lichtdurchfluteten großen Raum in der Faculty of Forest in Zagreb willkommen geheißen. An zwei Wänden, eins nach dem anderen, im gleichen Abstand, in gleicher Größe, gleicher Rahmen, hingen die Portraits der bisher leitenden Personen der Fakultät. Alle mit dem gleichen Geschlecht. Männlich. Genau deshalb sind wir hier! Wir sind hier, um das Bild der Stereotype in der Forstwelt zu ändern.

Es war wunderbar zu erleben, wie kreativ, aktiv, positiv, engagiert und voller Leidenschaft eine Gruppe wunderbarer Frauen mit unglaublicher Leichtigkeit gemeinsam agierte und Ideen kreierte und Geschichten austauschte. Und plötzlich waren sie da. Die Methoden, das Werkzeug, wie wir junge Frauen erreichen wollen. Gut ausgestattet und sensibilisiert mit den Inputs der Online Workshops. Wir entwickelten Sologans, Spiele für jede Altersgruppe und erzählten uns unsere Geschichten, wie wir selbst in die Forstwelt eintauchten. Alles mit einem gemeinsamen Ziel: Jungen Frauen die vielen Berufsmöglichkeiten in der Forstwelt attraktiv zu machen, sie anhand unserer persönlichen Geschichten zu motivieren, dieser Leidenschaft zu folgen, und Zweifel aus dem Weg zu räumen.

Forstberufe sind Mangelberufe. Es braucht Menschen, die zusammenarbeiten können und eine Leidenschaft teilen. Es sollte keine Männerwelten geben. Es sollte keine Frauenwelten geben. Erst müssen wir verstehen, dass Menschen mit ihren unterschiedlichen Stärken in einem guten Team ein gemeinsames Ziel mit mehr Leichtigkeit erreichen.
Dann können wir gemeinsam erfolgreich sein, Natur bewahren und schützen, wirtschaften und einen guten Beitrag in eine positive, konkurrenzlose Zukunft leisten.
Alles, was wir dazu brauchen, sind Offenheit, Verständnis und Leidenschaft.